NRZ Beitrag vom 03.11.2021

Das Mahnmal der Bodenspekulation

Gestern wurde endlich der Grundstein für das so genannte Grand Central am Hauptbahnhof gelegt. Wirkliche Freude kommt dabei allerdings nicht auf. nrz s.1

Wie geht es weiter am Mahnmal der Bodenspekulation?

Gestern wurde der Grundstein für das so genannte Grand Central gelegt. Wirkliche Freude kommt allerdings nicht auf

Seit zwei Jahren ist auf dem Gelände nichts passiert. Hans Blossey

Am Dienstag wurde am ehemaligen Postgelände an der Erkrather Straße gegenüber von Capitol Theater und Tanzhaus NRW der Grundstein für das sogenannte Grand Central gelegt werden. Seit Jahren lag die Fläche brach und bildete somit eine Art Mahnmal der Bodenspekulation im Herzen von Düsseldorf.

Wirkliche Freude kommt mit der Ankündigung der Grundsteinlegung von Catella beim „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ allerdings nicht auf. Denn bei dem aktuell angekündigten Baustart geht es nicht um das gesamte Projektgelände (NRZ berichtete). Gebaut werden sollen jetzt auf dem kleineren Teil nur die 147 Sozialwohnungen, die der rechtskräftige Bebauungsplan verbindlich vorschreibt.

Diesen kleineren Teil des Grand Central Projektes hat Catella behalten, der Löwenanteil der Projektgesellschaft wurde dagegen im Jahr 2019 für 110 Millionen Euro an das Unternehmen CG Group verkauft. „Allen Vermutungen nach hat Catella mit dem Verkauf einen stattlichen Gewinn eingefahren“, hieß es gestern beim „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“. „Der Verkauf soll als share deal erfolgt sein. Demnach soll nicht das Grundstück verkauft worden sein, sondern lediglich Anteile der Projektgesellschaften.“ Das Unternehmen habe damit die Grunderwerbssteuer in Höhe von geschätzt 7 Millionen Euro gespart. Nach weiteren Eigentümerwechseln gehört der größte Teil des Grand Centrals heute der Adler Group. „Diese könnte die endgültige Fertigstellung der von Catella jetzt in Angriff genommenen Sozialwohnungen gefährden, da für eine Tiefgarage und für Zufahrten Flächen benötigt werden, die zum Adler-Projektteil gehören“, so das „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“. Bisher sei eine Einigung darüber mit der Adler Group nicht zustande gekommen. Ein Baustart auf dem größeren, jetzt der Adler Group gehörenden Projektteil ist nicht absehbar. Druckmittel, diesen Zustand kurzfristig zu ändern, hat die Stadt Düsseldorf faktisch keine.

Bodenspekulation, wie am Grand Central, führen außerdem dazu, dass die Immobilienpreise in der ganzen Stadt in die Höhe steigen. Daraus folgen seit Jahren steigende Mieten und Wohnungspreise. Das Problem des Grand Central ist daher größer als die ohnehin schon große Brachfläche vermuten lässt.

„Dass nun endlich Sozialwohnungen gebaut werden, ist zu begrüßen. Dabei versucht Catella sich jetzt als den guten Investor zu präsentieren“, sagt Helmut Schneider vom Bündnis. „In Wirklichkeit hat Catella jedoch selbst an der Spekulationsschraube gedreht und von den Preissteigerungen profitiert. Das Grand Central wird in Zukunft wohl eher ein Grand Hole bleiben.“ Schneider fordert, dass die Stadt muss zukünftig das sogenannte Baumobilisierungsgesetz nutzen, um sich ein Vorkaufsrecht auf Grundstücke zu sichern. Bei privaten gewinnorientierten Investoren besteht immer die Gefahr von Bodenspekulation.“ Seite 5 nrz