Verwertung ohne Limit?

Wenn es nach dem Eigentümer geht, soll das bunte Haus auf der Hansaallee bald abgerissen werden. Er will es durch einen Neubau ersetzen und setzt auf eine Kaltmiete von zukünftig 26€ pro Quadratmeter. Die Baugenehmigung hat die Stadt Düsseldorf schon ausgestellt – nur einen Monat nachdem der Oberbürgermeister im November 2024 einen besseren Schutz von Mieter:innen versprach.

Doch noch leben ein paar Menschen in dem Haus und sie wollen auch bleiben. Bezahlbaren alternativen Wohnraum würden sie so bald in Düsseldorf auch nicht finden. Der Eigentümer kündigte den Mieter:innen jedoch mit Hilfe einer Verwertungskündigung. Nur weil die Mieter:innen juristisch gegen die Kündigung vorgegangen sind, leben sie aktuell noch dort. Sie hoffen auf für sie positive Ausgänge der Gerichtsverfahren. Nur selten wagen Mieter:innen den teuren Schritt vor ein Gericht, um die Rechtmäßigkeit einer Kündigung zu prüfen. Am Dienstag, den 17. 3. 2026 haben wir mit einer Pressekonferenz auf die Situation an der Hansaallee aufmerksam gemacht.


Wir vom Bündnis kritisieren das Instrument und die Anwendung der Verwertungskündigung scharf. Es trägt mit dazu bei, dass Mieter:innen ihre Wohnungen verlieren und die Mietpreise immer weiter in die Höhe getrieben werden.

Wir schätzen zudem, dass die Verwertungskündigungen im Falle der Hansaallee juristisch nicht haltbar sein könnten. Für eine Verwertungskündigung müssen vier Merkmale gleichzeitig zutreffen: Der Eigentümer muss die Absicht einer anderweitigen wirtschaftlichen Verwertung darlegen, die Angemessenheit dieser Verwertung belegen, aufzeigen, dass der Fortbestand des Mietverhältnisses der Verwertung entgegensteht und er muss erhebliche Nachteile befürchten, falls die Verwertung scheitert. Wir fragen uns, welche erheblichen Nachteile der Eigentümer zu befürchten hätte, wenn er das Haus nicht abreisen und es in der bisherige Form weiter vermieten würde. Auch zweifeln wir an der Angemessenheit der Verwertung, da die geplanten 26€ pro Quadratmeter für den Düsseldorfer Mietspiegel auf keinen Fall angemessen sind.

Wohnen ist nicht nur ein Grundrecht, sondern auch ein Grundbedürfnis. Deshalb sollte mit Wohnungen kein Handel, keine Spekulation und keine Verwertung betrieben werden dürfen. Die Verwertungskündigung macht dies in vielen Fällen möglich, wie wohl auch hier auf der Hansaallee.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis – kein Spekulationsobjekt.

zum Angebot von DUSinvest an die Mieter:innen auf der Mauerstraße

DUSInvest, Eigentümerin eines Hauses auf der Mauerstraße, hat einigen Mieter:innen – allerdings nicht allen – ein Vergleichsangebot unterbreitet: Nach dem geplanten Abriss des bestehenden Gebäudes und bis zur Errichtung eines Neubaus wird den angeschriebenen Mieter:innen eine Ersatzwohnung angeboten. Danach können sie im Neubau eine Wohnung zu der bisherigen Bruttomiete beziehen. Die Umzugskosten will DUSInvest übernehmen.

Die Mieter:innen der Mauerstraße können es als Erfolg ihres geschlossenen Widerstands verbuchen, dass sich DUSInvest nach Monaten der Konfrontation genötigt sieht, ein Vergleichsangebot zu unterbreiten. Allerdings ist es ein vergiftetes Angebot, weil es nur einigen, aber nicht allen Mieter:innen unterbreitet wurde. Es ist der unverhohlene Versuch, die Hausgemeinschaft zu spalten und so den Widerstand gegen das Vorhaben ‚Hausabriss und Neubau‘ zu schwächen. Hofft DUSInvest, so die anstehenden Prozesse zu den Verwertungskündigungen zu vermeiden, weil sie eine Prozessniederlage befürchten? Das würde bedeuten, dass sie das Gebäude nicht abreißen und alle Mieter:innen weiter dort wohnen können.

Als Bündnis raten wir den Mieter:innen, sich nicht auseinanderdividieren zulassen! Ein solches Angebot sollte allen Mieter:innen der Mauerstraße 32 – unabhängig von Gerichtsverhandlungen – und nicht nur einigen unterbreitet werden! Erst dann kann man ins Gespräch kommen, ob das Angebot für alle akzeptabel ist. Wenn nicht, müssen die Gerichtsentscheidungen abgewartet werden, ob die Verwertungskündigungen in den vorliegenden Fällen überhaupt zulässig sind.

Die Hausgemeinschaft auf der Mauerstraße äußert sich folgendermaßen:

«Die vollständige Hausgemeinschaft der Mauerstraße (auch die Parteien, die diesen Vergleichsvorschlag nicht erhalten haben) begrüßt grundsätzlich jede Initiative, die zu einer fairen und rechtssicheren Lösung beiträgt. Entscheidend ist für uns jedoch, dass die streitige Verwertungskündigung zunächst gerichtlich überprüft wird.

Im laufenden Verfahren steht eine gerichtliche Beweisaufnahme durch vom Gericht beauftragte Sachverständige unmittelbar bevor, in der u. a. zentrale Tatsachenfragen zu Sanierung gegenüber Abriss/Neubau – insbesondere Kosten, Restnutzungsdauer, Wertansätze und mögliche Alternativen – geprüft werden.

Nach unserer Kenntnis ist die Rechtsprechung zu Verwertungskündigungen in vergleichbaren Abriss-/Neubau-Konstellationen begrenzt und stark einzelfallabhängig. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, dass hier zunächst Rechtsklarheit geschaffen wird – nicht nur für die betroffenen Mieter, sondern auch für zukünftige Fälle.

Die zeitliche Nähe der aktuellen Vergleichsvorschläge zur anstehenden Beweisaufnahme nehmen wir zur Kenntnis. Wir schließen Gespräche ausdrücklich nicht aus.»

DUSInvest ist daran interessiert, sein Projekt in der Mauerstraße umzusetzen, vermutlich auch, weil seine Geldgeber Ergebnisse sehen wollen. Der Oberbürgermeister möchte Konflikte zwischen Mieter:innen und Investoren möglichst als Einzelfälle behandeln, die dann auch als Einzelfälle gelöst werden. Ein strukturelles Problem sieht er nicht. Tatsächlich steht der Fall Mauerstraße aber stellvertretend für zahlreiche ähnliche Fälle. Es geht nicht um Einzelfälle, es gibt vielmehr einen flächendeckenden Druck von Investoren auf den Wohnungsbestand, um dort höhere Renditen als bisher zu erzielen. Erst kürzlich haben führenden Wirtschaftsforschungsinstitute (u.a. IfO-Institut, Institut für Weltwirtschaft) die Forderung erhoben, die aus ihrer Sicht viel zu niedrigen Mieten im Wohnungsbestand auf Marktniveau anzuheben, um den Wohnungsmarkt zu beleben. Wenn das umgesetzt wird, wäre die Verdrängung von Bestandsmieter:innen in großem Stil die Folge. Wir kritisieren als Bündnis, dass die Stadt die Konflikte im Wohnungsbestand fälschlich auf Einzelfälle und schwarze Schafe unter Investoren reduzieren möchte. Auf den vom Immobilienmarkt ausgehenden generellen Druck auf die Mieter:innen in Bestandswohnungen hat die Stadt bisher keine Antwort.

Steigende Mieten und kaputte Decken auf der Kettwiger Straße

Die FB Invest Düsseldorf GmbH hat auf der Kettwiger Straße insgesamt vier Häuser gekauft. Nach dem Kauf gab es für die Mieter:innen erst mal Mieterhöhungen von 20 Prozent. Danach wurde Modernisierungen und damit verbundene unangenehme Baumaßnahmen und daraus resultierende erhöhte Mieten angekündigt. Dann hieß es, dass manche Wohnungen bei den Umbaumaßnahmen unbewohnbar seien und man ausziehen solle – ansonsten müsse man mit einer Verwertungskündigung rechnen. Nachdem dann viele ausgezogen sind, wurde neu vermietet. Zimmerweise wird für eine Wohnung ein qm Preis von ca. 18 Euro kalt verlangt. Die Zimmer sind minimal möbiliert. Eine vergleichbare Wohnung im Haus kostete zuvor 302 Euro monatlich und wurde so für etwa 6 Euro kalt vermietet. Außerdem steht der Verdacht im Raum, dass in dem Haus zwei Wohnungen gewerblich über Airbnb vermietet werden. Probleme gibt es auch mit Nebenkostabrechnungen und Mängeln am Dach. Alles in allem wieder mal einer dieser bedauerlichen Einzelfälle. Was würde helfen? Soziale Erhaltungssatzungen, Vorkaufsrecht, eine wirksame Mietpreisbremse, die auch für möblierte Wohnungen gilt und eine funktionierende Zweckentfremdungsatzung gegen AirBnB Wohnungen. Wir haben die Stadt Düsseldorf und die Presse informiert. Hoffen wir, dass es den Mieter:innen, die um ihr Zuhause bangen, etwas bringt!

Wir bedanken uns bei der Postcodelotterie, die unsere Arbeit durch eine Projektförderung unterstützt.

Versammlung in Bilk

Am Montag den 8. September lädt das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum alle Mieter:innen in Düsseldorf zu einem Stammtisch ins Bürgerhaus Bilk (neben den Arkaden, über dem Schwimmbad) ein.

Investoren beherrschen den Wohnungsmarkt in Düsseldorf. Für sie sind Wohnungen nur Anlage- und Spekulationsobjekte. Dabei gilt: je höher sie die Mietpreise treiben, desto mehr Gewinn können sie erzielen. Entmietung, Verwertungskündigungen oder spekulativer Leerstand sind die Folge. Doch das ist keine Naturkatastrophe, der wir plötzlich ausgeliefert sind. Es ist möglich sich zu wehren. Aber auch politische Veränderungen sind dringend notwendig, damit Mieter:innen gar nicht erst der Bedrohung ausgesetzt sind, aus ihren Wohnungen verdrängt zu werden.

Beim Stammtisch sprechen wir über die aktuellen Entwicklungen in unserer Stadt. In welchen Stadtteilen und Häusern haben sich die Mieter:innen zusammengeschlossen? Wie wehren sie sich? Wo können wir usn gegenseitig unterstützen und was voneinander lernen? Und was haben wir von den anstehenden Kommunalwahlen zu erwarten?

Es wird viel Zeit für Diskussion und Austausch geben. Alle, die selbst betroffen sind oder sich für eine gerechtere Stadt einsetzen wollen, sind herzlich eingeladen.

Bürgerhaus Bilk

8. September

19 Uhr