Halskestraße ist Nachbarschaft

Und wieder droht ein rücksichtsloser Investor eine lebendige Nachbarschaft zu zerstören. Wir haben am Dienstag den 30.6.2026 zum Pressetermin auf die Halskestraße geladen, in der ein Haus entmietet werden soll, nachdem es von einem Investor aufgekauft wurde.

Im Internet legt der Eigentümer seine Geschäftsintressen offen. Auf dem Youtube-Profil der Hausverwaltung KE Capital Investment spricht er davon, Immobilien «entwickeln» zu wollen. Er würde 300% Rendite machen und sagt: „Für mich aber, jemand der Immobilien Business machen will und sich daran bereichern will – ich will ja damit Geld verdienen – der muss das Ganze n bisschen anders betrachten“.

‚Anders betrachten‘: das bedeutet für die Mieter:innen: Sanierungsmaßnahmen, ungerechtfertigte Mieterhöhungen, unsichere Baustellen und Kündigungen, die rechtlich mehr als fragwürdig erscheinen. Die Mieter:innen wissen: wenn sie jetzt ihre Wohnung verlieren, werden sie keine vergleichbare mehr finden. Immobilienenhaie wie der Eigentümer auf der Halskestraße haben die Mietpreise in den letzten Jahren in die Höhe getrieben. Sich einfach eine neue Wohnung zu suchen, funktioniert nicht mehr. «Uns will ja keiner mehr» schätzt das Paar, das seit etwa 60 Jahren im Haus lebt, ihre Chancen auf dem Wohnungsmarkt realistisch ein. Und auch die anderen Mieter:innen sind auf den Wohnraum angewiesen. Hier haben sie ihre Zukunft geplant, sich ein soziales Umfeld geschaffen. Hier ist ihr zuhause, aus dem man sie nichte infach so rauswerfen kann.

Ein besserer Schutz für Mieter:innen wurde auch im letzten Kommunalwahlkampf versprochen. Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen findet sich dieses Versprechen wider. Dort steht: „Wir setzen uns dafür ein, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner in Düsseldorf wohlfühlen und in ihren angestammten Vierteln wohnen bleiben können.“

Doch als die Mieter:innen die Wohnungsaufsicht anriefen wurde ihnen gesagt, dass sie nicht zuständig seien. Wir fragen uns: wer ist denn dann zuständig? Wir brauchen endlich wirksame Maßnahmen statt leere Worthülsen!

In den letzten Jahren haben die Bewohner:innen der Halskestraße ein tolles soziales Miteinander geschaffen. Man kennt sich, man redet miteinander, man kümmert sich gemeinsam um die Beete am Straßenrand und feiert ein Mal im Jahr ein Straßenfest miteinander. Und jetzt setzen sie sich gemeinsam für den Erhalt ihrer Nachbarschaft und gegen Entmietung ein. Die neonfarbenen Poster an zahlreichen Fenstern auf der Straße machen dies deutlich. Sie sagen: «Wir sind Nachbarschaft» und «Entmietung Stoppen».

Steigende Mieten und kaputte Decken auf der Kettwiger Straße

Die FB Invest Düsseldorf GmbH hat auf der Kettwiger Straße insgesamt vier Häuser gekauft. Nach dem Kauf gab es für die Mieter:innen erst mal Mieterhöhungen von 20 Prozent. Danach wurde Modernisierungen und damit verbundene unangenehme Baumaßnahmen und daraus resultierende erhöhte Mieten angekündigt. Dann hieß es, dass manche Wohnungen bei den Umbaumaßnahmen unbewohnbar seien und man ausziehen solle – ansonsten müsse man mit einer Verwertungskündigung rechnen. Nachdem dann viele ausgezogen sind, wurde neu vermietet. Zimmerweise wird für eine Wohnung ein qm Preis von ca. 18 Euro kalt verlangt. Die Zimmer sind minimal möbiliert. Eine vergleichbare Wohnung im Haus kostete zuvor 302 Euro monatlich und wurde so für etwa 6 Euro kalt vermietet. Außerdem steht der Verdacht im Raum, dass in dem Haus zwei Wohnungen gewerblich über Airbnb vermietet werden. Probleme gibt es auch mit Nebenkostabrechnungen und Mängeln am Dach. Alles in allem wieder mal einer dieser bedauerlichen Einzelfälle. Was würde helfen? Soziale Erhaltungssatzungen, Vorkaufsrecht, eine wirksame Mietpreisbremse, die auch für möblierte Wohnungen gilt und eine funktionierende Zweckentfremdungsatzung gegen AirBnB Wohnungen. Wir haben die Stadt Düsseldorf und die Presse informiert. Hoffen wir, dass es den Mieter:innen, die um ihr Zuhause bangen, etwas bringt!

Wir bedanken uns bei der Postcodelotterie, die unsere Arbeit durch eine Projektförderung unterstützt.